Digitalisierung im Maler-Handwerk – wie ein Handwerksmeister aus Wiesbaden 84 Prozent seiner Umsätze über das Internet generiert

Vor einiger Zeit hörte ich einen Vortrag von Volker Geyer über die Internet Strategie seines Handwerksunternehmens. In dem lebendigen Vortrag erläuterte er die Elemente seines Online-Marketings. Mit einem Live-Einblick auf seine Webseite www.malerische-wohnideen.de zeigte Volker Geyer, wie er die verschiedenen sozialen Medien als aktiven Kommunikationskanal zu seinen Interessenten nutzt.

Die Besucher seiner Internetseite erhalten mit zahlreichen Blog-Beiträgen Einblicke in die Arbeitswelt von Volker Geyer und seiner Mitarbeiter. Auf diese Weise repräsentiert er sein Unternehmen authentisch und lebendig im Internet.

Darüber hinaus nutzt Volker Geyer seine Internetpräsenz als Plattform für
Empfehlungsmarketing und lädt seine Besucher im Blog zum Dialog ein.

Der durchschlagende Erfolg seiner Online-Strategie hat sich bis ins
EU-Parlament herumgesprochen: 2011 wurde der Querdenker und Visionär Volker Geyer als Sprecher zur KMU-Woche nach Brüssel eingeladen:
www.malerische-wohnideen.de/blog/mein-unglaubliches-erlebnis-bei-der-kmu-woche-2011-in-bruessel.html.

Ich finde, die „malerischen Wohnideen“ von Volker Geyer sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie ein Unternehmen die Herausforderungen der Digitalisierung annimmt und dadurch enorm profitiert.

Nicht die Digitalisierung macht den Mittelstand kaputt …

… sondern Unternehmensstrukturen mancher etablierten Unternehmen, die das Schritthalten mit den zunehmend rasanten digitalen Entwicklungen erschweren.

Neue Unternehmensform Startup?

Mit der Digitalisierung taucht eine scheinbar neue Unternehmensform auf: Startups schießen derzeit in vielen Branchen wie Pilze aus dem Boden und mischen mit disruptiven Geschäftsmodellen etablierte Märkte auf.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen neuen Unternehmenstypus, sondern um den Entwicklungszustand eines Unternehmens in einem jungen Stadium.

Dieses junge Startup Unternehmen hat nur ein Ziel: die nachhaltig erfolgreiche Vermarktung seines neuen Produktes oder seiner Dienstleistung schnellstmöglich unter Beweis zu stellen.

Egal ob das Budget für die Businessentwicklung von einem Investor stammt oder eigene Mittel eingesetzt werden: es gilt keine Zeit zu verlieren. Denn Zeit ist Geld – und das kann hier getrost wörtlich genommen werden. Venturekapitalgeber verknüpfen mit der Geldspritze strenge zeitliche Vorgaben. Werden die nicht erfüllt, schließt sich der Geldhahn.

Aus diesen Zwängen sind Lean Startup Methoden entstanden, die im Kern eines gemeinsam haben: radikaler Fokus auf das Wesentliche mit dem Ziel, schnellstmöglich die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells zu evaluieren oder so lange zu modifizieren, bis es funktioniert.

Clash of Business Cultures

Der Versuch, Lean Startup Techniken in etablierten Unternehmen einzusetzen, führt oft unweigerlich zur Kollision mit den bestehenden Geschäftsprozessen. Exemplarisch sei hier die frühe Beteiligung von Kunden an dem Entwicklungsprozess genannt. Viele Entwickler hüten ihre Produktideen und halten sie so lange wie möglich geheim, um sie vor Nachahmern zu schützen. Erst wenn die Produktentwicklung abgeschlossen ist, geht man mit dem neuen Produkt an den Markt … und dabei nicht selten am Bedarf vorbei.

Ganz anders bei einem Lean Startup: hier wird der Kunde so früh wie möglich, lange bevor das Produkt überhaupt verfügbar ist, einbezogen und befragt. Die Ergebnisse der gezielten Kundenbefragung fließen direkt in die Produktentwicklung ein.

In seinem Buch „Democratizing Innovation“ hat Eric von Hippel (Professor of Management of Innovation and Head of the Innovation and Entrepreteurship Group am Massachussetts Institute of Technology) gezeigt, dass mit Innovationen, die unter Mitwirkung von Kunden entstanden sind, 8 mal mehr Umsatz generiert wird, als bei Entwicklungen ohne Kundenbeteiligung.

Netzwerk von Ideengebern im Unternehmen

Aber auch die besten Ideengeber, die eigenen Mitarbeiter, werden in vielen Unternehmen zu wenig am Ideenentwicklungsprozess beteiligt. Ein betriebliches Vorschlagswesen ist das eine, den Mitarbeitern abteilungsübergreifend die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen auszutauschen und zu diskutieren, sich zu vernetzen, ist eine Chance für Unternehmen, einen großen Ideenfundus zu heben und Synergien zu stiften. Dazu gehört aber auch, unorthodoxe Vorschläge nicht gleich zu „beerdigen“, sondern mit Lean Methoden diese Ideen auf Brauchbarkeit abzuklopfen.

Natürlich lässt sich ein etabliertes Unternehmen nicht mit einem Startup vergleichen. Beim Startup konzentriert sich alles darauf, das Geschäftsmodell am Markt zu testen, und so lange zu modifizieren, bis es funktioniert. Wird das nicht erreicht, verschwindet ein Startup schnell wieder von der Bildfläche. Etablierte Unternehmen werden verständlicherweise nicht alles auf eine – neue – Karte setzen können. Viele Angestellte erwarten am Monatsende ihr Gehalt. Kein Manager wird den laufenden Geschäftsbetrieb vernachlässigen können.

Dennoch sollten sich Unternehmen, die von der Digitalisierung betroffen sind, Freiräume schaffen, in denen sie sich immer wieder neu erfinden können und mit der zunehmend rasanten digitalen Entwicklung Schritt halten können.